Am Morgen des 12. Juni ist in einem Klagenfurter Flüchtlingsheim Feuer ausgebrochen, unter den BewohnerInnen brach in der Folge Panik aus. Da die Fenster im Erdgeschoss vergittert waren und das Feuer den Eingangsbereich unpassierbar machte, sprangen einige der BewohnerInnen aus den Fenstern im ersten Stock. Dabei starb ein 42-jähriger Mann aus Ghana, mehrere Personen trugen Verletzungen davon.
Das Feuer dürfte in einer Nische neben dem Eingang entstanden sein. Obwohl das Gebäude sich nur rund zwei Kilometer vom EM-Stadion entfernt befindet, in dem am selben Tag das Spiel zwischen der kroatischen und der deutschen Mannschaft stattfand, wurde von Seiten der Polizei von Beginn an ein Zusammenhang mit der Fussball-EM kategorisch ausgeschlossen. Vielmehr käme eine “natürliche Ursache”, wie ein Defekt im Haus selbst oder aber eine gezielte Brandstiftung zwischen verfeindeten Asylwerbergruppen infrage, mutmasste Landespolizeikommandant Wolfgang Rauchegger gegenüber dem Standard. Kärntens Landeshautmann Jörg Haider vermutete umgehend eine Auseinandersetzung von “zwei verfeindete Gruppen der Drogenmafia”.
Nur einen Tag später vermeldete der Leiter der Kriminalabteilung des Landeskriminalamtes Kärnten, Hermann Klammer, dass der Vorfall aufgeklärt sei: im - entgegen der Hausordnung abgelegten - Müll im Erdgeschoß seien einige Zigarettenstummel gefunden worden, ein solcher dürfte das Feuer offenbar verursacht haben. Brandbeschleuniger seinen hingegen keine gefunden worden, so Klammer.


Quelle: World.Content.News/APA
Neben der ausgesprochen raschen und lückenlosen Klärung der Brandursache, welche scheinbar keine Fragen offen lässt, gibt vor allem die mediale Aufbereitung zu denken. So schwingen in vielen Berichten Schuldzuweisungen an die Opfer mit. So wird etwa das rasche und präzise Funktionieren der Rettungskette betont, im Gegensatz zur “falschen” Reaktion einiger BewohnerInnen: “Sie [die BewohnerInnen, Anm.] begründeten die Panikreaktionen ihrer aus den Fenstern gesprungenen Landsleute damit, dass sie niemals damit gerechnet hätten, dass so schnell Hilfe eintreffen würde. Die Erfahrungen aus ihrer Heimat haben die Menschen gelehrt, bei Feuer sofort die Flucht zu ergreifen, ein Feuerwehrwesen wie hierzulande gebe es dort nämlich nicht.”, so ein Bericht im ORF. Die Tatsache, dass bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte nur eine einzige Frau versuchte, Hilfe zu leisten, bleibt hingegen meist unerwähnt.
Und auch wie schnell der Vorfall unter all den EM-Jubelmeldungen - von der friedlichen Fussballparty bis hin zur erfolgreichen Ausweisung von 140 Neonazis (die allerdings vermutlich relativ problemlos erneut einreisen können) - untergeht, ist einigermassen bemerkenswert. Der friedliche Charakter der Berichterstattung über die von Nationalismen geprägte und von unterschwelligem Rassismus begleitete Sportveranstaltung bleibt jedenfalls aufrecht.
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