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Rer Repeter – Shady Sands
22/10/2013 | de, en, Records | Leave a comment


Rer Repeter – Poison Will Be Hidden EP (Dubsquare 12″ DSQ007)

Side A: Poison Will Be Hidden
Side B: Shady Sands/Obviously Everything Has Changed

Out on 11 Nov 2013.

Verbotskulturhauptstadt

In den letzten Jahren hat sich das einst stockkonservative Graz zu einem der kulturell spannendsten Orte Mitteleuropas entwickelt. Wenn es allerdings nach der neuen Stadtregierung geht, dann soll sich das bald wieder ändern.

Forum Keller, Graz (Foto: Jakob Isselstein)
Forum Keller im Stadtpark (Foto: Jakob Isselstein)

Im Jahr 2003 wurde Graz für zwölf Monate zur europäischen Kulturhauptstadt und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, sie ist es bis heute geblieben. Dazu tragen allerdings weniger die Tafeln an jeder der zahlreichen Autobahneinfahrten bei (eigentlich sollte dort stehen, dass Graz einen der höchsten Feinstaubwerte Europas aufweist!), sondern eine ungewöhnlich lebendige Szene an Kulturschaffenden, KünstlerInnen und MusikerInnen, die sich bereits in den frühen 1990er Jahren herausgebildet hat.

In den letzten zwei Jahren vollzog sich aber ein Paradigmenwechsel in der Grazer Stadtpolitik, den vor allem kleine, nichtkommerzielle Kulturinitiativen zu spüren bekommen. Im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit steht dabei der Stadtpark, der neben dem international renommierten Forum auch zwei andere wichtige Veranstaltungsorte beherbergt. Sowohl das Parkhouse als auch die Kombüse bekamen in den letzten Monaten die Auswirkungen eines neuen Veranstaltungsgesetzes auf höchst unangenehme Weise zu spüren.

Um die Jahrtausendwende hatte man darüber nachgedacht ein Kunsthaus im Stadtpark zu errichten, bevor man sich letztendlich für einen Standort an der Mur entschied. Das in vorauseilendem Gehorsam in Bauland umgewidmete Areal im Stadtpark wurde kürzlich von der Stadt Graz an ein Bauprojekt verkauft, das die Errichtung von fünfzig Luxuswohnungen und Büros vorsieht und auch eine »Beruhigung« des Stadtparks nach sich ziehen soll.

Für den konservativen Bürgermeister Siegfried Nagl steht fest, in welche Richtung sich der Stadtpark – wie auch die gesamte Stadt – entwickeln soll. Seit den letzten Gemeinderatswahlen regiert er in einer Koalition mit SPÖ und FPÖ. Um sich nicht selbst die Hände schmutzig zu machen, wurden die Agenden des Veranstaltungsgesetzes aus dem Bauressort (welches weiterhin vom Wahlsieger, der KPÖ, geleitet wird) herausgelöst und der FPÖ zugeteilt. Nagl greift Forderungen seines rechten Koalitionspartners auf, etwa den Vorschlag, das Forum Stadtpark in einen Gastronomiebetrieb umzuwandeln: wo die FPÖ einst provokant einen Biergarten gefordert hatte, schwebt dem ÖVP-Bürgermeister nun ein »Kulturcafé« vor.

Bürokratie statt Demokratie
Anita Hofer, Vorsitzende der IG Kultur Steiermark, beschreibt dieses Kulturverständnis als zutiefst elitär und als eines, das aus dem 19. Jahrhundert stammt. So verwundert es kaum, dass in den letzten Jahren die Fördervergabe im Kulturbereich auch im Land Steiermark radikal entdemokratisiert wurde. Beiräte von Kulturschaffenden wurden weitgehend durch Gremien ersetzt, die vorwiegend mit BeamtInnen und VertreterInnen der Wirtschaft besetzt sind. Für Konzepte wie diversity oder prozesshaftes Arbeiten fehlt diesen einfach ein grundlegendes Verständnis, so Hofer.

Ein neues Veranstaltungs- und Sicherheitsgesetz verschärft die Situation zusätzlich. Anita Hofer fordert daher, dass »Kulturveranstaltungen – wie auch Bildungsveranstaltungen sowie politische und kirchliche Veranstaltungen – aus diesem Gesetz ausgenommen werden, denn sie dienen weder der Belustigung noch der Erbauung oder der Ertüchtigung«, wie das im Gesetz beschrieben ist. Es sei nicht einzusehen, warum man für eine Ausstellungseröffnung plötzlich einen privaten Sicherheitsdienst braucht. Zudem weist sie darauf hin, dass diese Gesetze eine massive Umverteilung von Kulturgeldern zur privaten Sicherheitsindustrie und zur Bauwirtschaft bedeuten.

Die schwierige Situation vieler kleiner Kulturinitiativen wird von der Öffentlichkeit nur sehr eingeschränkt wahrgenommen. Bereits im letzten Jahr musste das Lokal Barprojekt in der Grazer Innenstadt schließen. Roland Oreski, einer der OrganisatorInnen des Elevate Festivals, erzählt, dass an besagtem Ort zwanzig Jahre lang ein gastronomischer Betrieb existierte. Doch plötzlich hätten die Verantwortlichen der Stadt entdeckt, dass es für das Lokal keine Baubewilligung als Betriebsstätte gäbe.

Das Gespräch mit Oreski und seinen Kollegen findet in einem Büro im Kulturzentrum Niesenbergergasse statt, das kürzlich seinen Veranstaltungsbetrieb einstellen musste; genauso wie die Papierfabrik, die ebenfalls als Kulturverein betrieben wurde. Andere Veranstaltungsorte wie das Wakuum oder das Sub sind von einer Schließung bedroht. In jüngster Zeit sehen sich auch vermehrt Vereine mit migrantischem Hintergrund mit Problemen konfrontiert, beispielsweise das Café Nil des Vereins Baodo, die Räume der INUS (Igbo National Union Steiermark) sowie der Verein Chiala, Veranstalter des jährlichen Afrikafestes im Augartenpark, der sich erst kürzlich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit wandte. Bernhard Steirer von Elevate stellt zwar fest, dass es für die meisten der Schließungen wohl eine gesetzliche Grundlage gibt, aber es sei auffällig »wie sehr sich diese Schließungen innerhalb des letzten Jahres häufen.«

Ignoranz der Politik
Die FestivalmacherInnen kritisieren, dass man vonseiten der Stadt kein Verständnis dafür habe, dass die Vielfalt dieser kleinen Orte und Veranstaltungen eine Grundvoraussetzung dafür sind, dass große Festivals wie Spring oder Elevate überhaupt entstehen können. Simon Hafner erinnert an die »jahrelange Aufbauarbeit« durch Initiativen wie Four Elements, Schwarzes Radieschen, Sub oder Spektral. Deren kulturelle und soziale Arbeit würden von der Politik weitgehend ignoriert.

Hafner erzählt auch von den 1990er Jahren, als die gängigste Haltung unter Jugendlichen war: »So schnell wie möglich raus aus dieser Stadt!« Ab dem Ende der 1990er Jahre hätte sich das geändert, es gab eine Tendenz in Graz zu bleiben und Projekte zu realisieren, um die Stadt lebenswerter zu machen. Seit ein paar Jahren wächst Graz wieder, verantwortlich dafür ist auch der verstärkte Zuzug junger Studierender.

Doch die Grazer Stadtregierung reagiert auf diese Entwicklung nicht mit einem verstärkten Angebot an junge Menschen, sondern begegnet ihnen zunehmend mit Repression. Das derzeitige Prestigeprojekt ist dabei die sogenannte Ordnungswache, die von einem privaten Sicherheitsdienst gestellt wird. Diese ermahnt ParkbesucherInnen, überwacht Musik- und Alkoholverbote außerhalb kommerzieller Gastgärten, versucht ein paar Punks aus der Innenstadt zu vertreiben – und wird dabei ebenfalls von FPÖ-Stadtrat Eustachio verwaltet.

Anita Hofer und das Elevate-Team sind sich darin einig, dass dies Ausdruck eines zutiefst provinziellen Denkens ist. Bernhard Steirer bringt diese Mentalität auf den Punkt: »Es darf alles stattfinden, allerdings immer nur in einem genau abgesteckten Rahmen. Einmal im Jahr darf man auch ruhig sturzbetrunken durch die Herrengasse marschieren, nämlich wenn ›Aufsteirern‹ ist. Man muss sich halt einen Steireranzug dazu anziehen. Es gibt einfach gewisse Regeln für alles, innerhalb derer man sich bewegen kann. Da ist dann auch der Ausnahmezustand erlaubt, aber am nächsten Tag muss wieder alles in den gewohnten, ruhigen Bahnen verlaufen.«

(Text: Chris Sperl, Photo: Jakob Isselstein; erschienen im September 2013 in Skug #96)

Offcast #21: Rer Repeter
21/09/2013 | de, en, Words & Sounds | Leave a comment

The latest Offcast comes from Rer Repeter, whose “Poison Will Be Hidden EP” is due to be released in October 2013 on Dubsquare Records.

Offcast #21 is also available for download here.

Raum, Wunsch, Rhythmus

Das britische Duo Raime lotet seit 2010 auf Blackest Ever Black die Ränder von Techno und Industrial aus. Die Vorstellung, die Möglichkeit… und woher das alles kommt.

RaimePhoto: Martina Nowak

skug Kürzlich bin ich über ein Album von CON [alias Conrad Schnitzler, Anm. d. Red.] gestolpert und ich musste sofort an euer Album denken. Als ich es mir später nochmals in Ruhe angehört habe, ist mir auch eine große Nähe zu Gerald Donald von Drexciya aufgefallen, vor allem was seine Sounds und Texturen betrifft. Meint ihr, diese Assoziationen waren Zufall oder seht ihr eine Verbindung zwischen euch, Berlin und Detroit?

JOE ANDREWS Zu Schnitzler persönlich sehe ich keine direkte Verbindung. Allerdings gibt es auf jeden Fall einen Bezug zu experimenteller elektronischer Musik aus Europa der letzten dreißig oder vierzig Jahre. Ich glaube wir gehören zur selben Familie, wenn man so will.

skug Und was ist mit Detroit und Drexciya?

J.A. Detroit hat für uns sicherlich immer eine große Rolle gespielt. Es war vielleicht das erste Mal, dass wir uns für eine Spielart der elektronischen Musik interessiert haben, die auch eine Ideologie hatte. Da war sicher auch ein gewisser Romantizismus dabei, eine weltliche Idee. Das war hat uns sehr geprägt. Ich fühle mich heute noch immer diesen Konzepten verbunden, nicht zuletzt in der Art wie das über bloße Clubmusik hinausgeht.

skug Wenn ich das richtig verstanden habe, dann interessiert euch – neben Ideologie – besonders das Rohe in der Musik. Ich glaube ihr seid große Fans von Old School Jungle…

J.A. Yeah!

skug Verfolgt ihr auch Grime?

J.A. Auf jeden Fall!

skug Was macht ihr, um diese Rohheit in euren eigenen Produktionen zu erreichen?

J.A. Rohheit ist nur ein Aspekt unserer Arbeit. Es geht vielmehr darum, eine Balance zwischen den rohen und den ausgefeilteren Teilen der Produktion zu finden. Fast alle Sounds, die man auf dem Album findet, stammen von Studio-Aufnahmen. Das Rohe und Zufällige kommt direkt aus diesen Aufnahmen. Diese sind zwischen zehn und vierzig Minuten lang und wir wählen vielleicht zwei Sekunden von der einen Stelle aus oder fünf von einer anderen. Die Teile werden dann geschichtet, geloopt und geformt. Am Ende ist dieser Prozess sehr spezifisch und maßvoll, hat also gar nichts Rohes mehr an sich. Aber der Ursprung des Sounds ist roh.

TOM HALSTEAD Das Rohe kommt aus dem expressionistischen Teil dieser Performances. Dann wählen wir einzelne Teile aus, welche die Emotion der gesamten Aufnahme als Essenz enthalten – den kleinsten Anteil, für den wir diesen ganzen Aufwand betreiben.

skug Finden diese Sessions meist in eurem Studio statt oder geht ihr für eure Aufnahmen auch hinaus?

J.A. Für die Aufnahmen mit dem Cellisten und dem Schlagzeuger haben wir uns ein Studio gemietet um sie durch ein großes Mischpult aufnehmen zu können. Aber alle Sounds von Gitarre und Bass machen wir in unserem Studio.
Die Rohheit von Jungle und Grime kam von der Geschwindigkeit, mit der die Artists arbeiteten, aber auch von den verwendeten Technologien. Die Sampler, mit denen anfangs oft gearbeitet wurde, waren meist günstig und mit entsprechend niedrige Bitraten. Daher war der Sound, der heraus kam ›ruff and ready‹, also irgendwie stumpf und grob-klotzig. Auch das Sequencing war sehr ruff. Die Orte, an denen dieser Sound gespielt wurde, spielten ebenfalls eine große Rolle – die rohe Energie von Grime und Jungle kam immer aus den Underground-Clubs. Wir hingegen haben dieses Umfeld nicht – wir kommen weder aus dem Club, noch drücken wir uns darüber aus. Trotzdem hat die Musik, die von dort kommt, unseren Sound stark beeinflusst. Es ist allerdings nur ein Teil davon.

skug Seid ihr in London aufgewachsen?

J.A. In Reading, also etwas außerhalb Londons.

skug Seit ihr damals viel in Jungle-Clubs gegangen?

J.A. Hm, schon ein wenig, wobei leider…

T.H. Wir waren zu jung!

J.A. Wir waren damals noch zu jung, um unsere Lieblingszeit von Jungle miterleben zu können. 1996 ist für uns gewöhnlich der ›Cut-Off‹ für Produktionen, die wir mögen. Ab 1998 gingen wir zwar auf Partys, aber da war der Sound bereits härter, es gab vor allem Tek-step und Jump-Up. Ich denke, dass uns kaum etwas von diesem Zeug uns so beeinflusst hat wie der Sound, für den wir eigentlich zu jung waren. Eigentlich war ich fast immer zu jung für die Musik, die ich mag! [lacht] Industrial, Postpunk, Detroit… – und wir sind ja in Reading aufgewachsen! Daher haben wir diese Dinge immer erlebt, indem wir die Platten abgespielt haben.
In unserer Jugend gingen wir zwar viel auf House- und Techno-Partys. Diese Musik haben wir im Club erlebt und viel Zeit damit verbracht. Aber Postpunk, Avantgarde, Industrial und auch viel Jungle kennen wir vor allem von den Platten. Für uns ist das trotzdem eine sehr emotionale Angelegenheit, denn wenn man sich so eine Platte auflegst, dann muss man sich das ganze Drumherum selbst vorstellen.

T.H.
Genau, die Vorstellungskraft… die Möglichkeit… und von wo das alles kam!

J.A. Man kann dabei beinahe romanisch werden, denn anstatt die Musik in dem Moment zu erleben in dem man sie hört, ist auf der Platte alles so weit weg.

skug Könnt ihr euch an einen besonderen Moment im Club erinnern?

T.H. Als die meisten Sachen passierten, waren wir einfach zu jung. Vielleicht fühlen sich heute die frühen DMZ Nächte im Brixton Mass ein wenig an wie ›Oh, wir waren dabei als diese Dubstep-Sache begann.‹

J.A. Wenn ich so nachdenke, früher, da war Jeff Mills möglicherweise auch einer dieser Momente. Da gab es eine ganz bestimmte Performance, wo er einen Soundtrack zu ›Metropolis‹ machte und danach einige Platten spielte. Zu dieser Zeit begann ich gerade, mich für Detroit zu interessieren. Für mich war das neu, dass das alles mehr mit Kunst als mit Club zu tun hatte.

skug Ist das auch eine Richtung, in die ihr euch mit eurer Arbeit bewegen wollt, das Club-Setting zu verlassen?

J.A. Eigentlich sind wir schon längst nicht mehr Club. Meistens spielen wir in Kunsträumen oder auf Festivals – in Clubs eigentlich nur selten. Wir bemühen uns auch nicht wirklich darum. Das aber auch eine ganz normale Entwicklung, denn wir gehen auch nicht mehr so viel aus wie früher.

T.H. Und dann sind da noch die technischen Einschränkungen – wir mögen einfach eine physikalische Performance.

J.A. Wobei es nicht nur um den Raum und einen Wunsch geht, sondern vor allem auch um Rhythmus. Im Club braucht man immer einen gleichmäßigen Rhythmus. Genau darum geht es ja im Club – acht Stunden rhythmische Tanzmusik zu der man sich bewegt. Und für uns ist der Rhythmus etwas, das wir manchmal mögen und manchmal nicht. Das kann man auch in unseren Stücken hören – manchmal steht der Rhythmus im Zentrum, dann ist er wiederum zwar auch da, aber nicht komplett ausformuliert.

skug Hat das Rauchverbot die Clubs verändert?

J.A. Ich glaube nicht, dass das Rauchverbot Auswirkungen auf die Energie hat, die man in einem Club erzeugen kann. Das einzige was sich verändert, ist die Art wie sich die Menschen im Club bewegen. Man hat nun immer sehr viele Leute vor dem Club, während sich die kleinere Menge von Leuten im Club stark die Atmosphäre im Raum auswirkt. Mir geht es manchmal ab in einen Club zu gehen und dabei zu rauchen, obwohl da ja mich mittlerweile kaum mehr betrifft.

skug Ich möchte kurz noch einmal auf eure Produktionsumstände zu sprechen kommen. In einem Interview mit The Guardian beschreibt ihr euch als ›fastidious‹ [sehr penibel, Anm. d. Red.] und erwähnt auch Schlafentzug, der sich nicht zuletzt aus der Verbindung mit euren Jobs und der Musikproduktion ergibt. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie ihr als Team arbeitet. Habt ihr einzelne Bereiche, die vorwiegend einer von euch übernimmt oder macht ihr beide alle Arbeiten. Wie organisiert ihr euch innerhalb des Projekts?

J.A. Zu Beginn hatten wir relative getrennte Rollen. Mittlerweile scheint es mir…

T.H. …austauschbar.

J.A. Es fühlt sich sehr vertraut an. Wir arbeiten zwar auch an bestimmten Sachen alleine, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Das sind dann eher so kleine Ideen…

T.H. Wir treffen uns im Studio und sagen: ›Ich habe gerade das hier gemacht, was hältst du davon?‹ Dann versucht man daraus eine Platte zu machen. Oder aber, man erreicht einen Punkt, an dem man merkt, dass die Idee nicht mehr funktioniert und man verwirft sie wieder. Es ist wichtig, gewisse Ideen alleine zu entwickeln, sie aber dann mit jemanden zu teilen und sie gemeinsam auszuformulieren.

J.A. Dabei geht es immer um einen Prozess zwischen uns. Gewissen Entscheidungen werden einfach besser, wenn sie zusammen getroffen werden.

T.H. Im letzten Jahr war unsere Zeit recht begrenzt, weil wir beide Vollzeit arbeiteten. Es ist schwierig, an einem gemeinsamen Stück weiterzuarbeiten, wenn man sich nicht zusammen im selben Raum aufhält. Wir versuchen gerade, dies zu verändern.

skug Wie ist das Verhältnis zu eurem Label ›Blackest Ever Black‹?

J.A. Es ist ein absolutes Vertrauensverhältnis. Wir kannten Kiren, der das Label betreibt, bereits davor. Unsere erste Platte haben wir dann gemeinsam mit ihm gemacht und das war zugleich auch die erste Release auf seinem Label. Wir haben alles zusammen begonnen und sind gemeinsam gewachsen.

T.H. Es war wirklich ein sehr organischer Prozess, in dem wir uns gegenseitig unterstützt haben.

J.A. Wir haben uns gegenseitig auch sehr stark beeinflusst.

T.H. Kiran ist einfach eine Person mehr, die an der Diskussion teilnimmt. Wenn wir eine Idee haben, dann gehen wir damit zu ihm. Wir schätzen seine Meinung sehr. Falls er findet, dass sei nicht das Richtige für das Label, dann akzeptieren wir das.

J.A. Der einzige Weg, uns zu kontaktieren, ist über Kiran, denn wir haben keine Kontaktadressen. Er war von Anfang ein absolut integrer Teil unseres Projekts.

skug Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

J.A. Wir werden versuchen mehr Musik zu machen!

T.H. Als das Album letztes Jahr erschienen ist, hatten wir eine recht anstrengende Zeit. Die vielen Auftritte sind natürlich großartig, aber langsam sollten wir es wieder ruhiger angehen und an neuem Material zu arbeiten.

J.A. Genau, zurück ins Studio!

(Text: Chris Sperl, Photo: Martina Nowak; erschienen im Juli 2013 in Skug #95)

13 Jan 2013: DIY Label & Release Night
21/12/2012 | de, en, Events | Leave a comment

Sunday, 13 Jan 2013
DIY Label & Release Night
disko404 X Dubsquare X Offseason X Sounding Functions
DJs: Boris, Ca.tter, El Rakkas, IZC, Mstep, Simon/off
@ Elektro Gönner, Vienna (free entry!)

21 Dec 2012: 10 years disko404
18/12/2012 | de, en, Events | Leave a comment

One of Europe’s best and most consistent club nights, disko404, celebrates its 10th birthday! Over the past decade, the Graz-based collective has established an exellent international reputation as one of the most forward-thinking promotors of bass music.

Starting off in Graz’ lively Breakcore/Jungle scene of the early 2000s, the club has never been shy of experiments since its early days. Hence, international labels such as Planet Mu, Hyperdub, Hessle Audio or Night Slugs were featured from the very beginning, alongside local talent from Graz, Zagreb and other parts of central Europe. For the anniversary night, previous guests, fellows and friends will join in to celebrate the night, with artists such as Kode9 or Ben UFO among them.

Kode9 (Hyperdub, London)
Ben UFO (Hessle Audio, London)
Funk Guru & Phillipe (cfsn, Zagreb)
Zanshin (Affine)
IZC (Dubsquare)
El Rakkas (Offseason)
Tetsuo (sound.kasten)
disko404 DJs (B.L.O., doze, feelipa, finna, franjazzco, jabok aka any maniac, mike fidel, simon/off, SlickDevlan, zvonko)

The party starts at 10pm at Niesenberger, Graz.

Offcast #12
06/11/2012 | de, en, Podcast | Leave a comment


Tracklist:
Morphosis – Androids Among Us/Just For One Day Remix (Delsin)
A.O.S. – It Can Be Done, But Only I Can Do It (FXHE)
Der Zyklus – Krypton 84 (Wémè)
Raime – You Will Lift Your Frame Clear (Blackest Ever Black)
Ø – Tasanko – (Sähkö)
Andy Stott – We Stay Together/Part One (Modern Love)
Jeff Mills – Tomorrow (Axis)
Rhythm & Sound – Distance (Rhythm & Sound)
Hadamard – Untitled (Bunker)
Tim Harper – Ozone/Brian Wesley Mix (Dance Mania)
Geeeman – Rubberband2 (Clone)
Omar S – J-A-i-P-U-R (FXHE)
Echo 106 – Copy Ins Del (Mathematics)
Lok44 – Rotten Roll (Trust)
Omar S – Churchill (FXHE)
A Made Up Sound – Demons/Reprise (Clone)
Drexciya – Bang Bang (Clone)
Leron Carson – Mechanism (Sound Signature)
Kowton – More Games (Livity Sound)
El Rakkas – Extremely Cheap And Effective (Dubsquare)
Alex Smith – Stop Running Aroud (FXHE)
X-103 – Tephra/Under (Axis)

Runtime 1:00:38, mp3 w/ 320kbps
Recorded in Oct 2012 on two decks and a mixer in one take.

Eternit – Tödlicher Staub
25/05/2012 | de, Politrix | Leave a comment

Im Frühjahr 2012 zeigte ARTE die Dokumentation Tödlicher Staub von Niccolò Bruna und Andrea Prandstraller.


Tödlicher Staub (R: Niccolò Bruna/Andrea Prandstraller, Schweiz, Italien, Belgien, 2010, 84mn)

Eternit beherrscht seit über 70 Jahren den Weltmarkt von Asbestfaserplatten. Obwohl die Verantwortlichen seit Jahrzehnten von den gesundheitlichen Gefahren wissen, wurden grosse Teile der Gesellschaft dem Risiko an Krebs zu erkranken ausgesetzt. Von den ArbeiterInnen des italienischen Werks in Casale Monferrato im Piemont sind heute, nach Stilllegung der Fabrik, nur mehr wenige am Leben. Die meisten von ihnen starben an einem speziellen Karzinom, welches vorwiegend von Asbestfasern verursacht wird. Der Film begleitet die ehemaligen ArbeiterInnen und deren Familien bei ihrem Kampf für Gerechtigkeit

Ende 2009 begann in Turin der sogenannte “Eternit-Prozess” gegen die Unternehmer Stephan Schmidheiny aus der Schweiz und Baron Jean-Luis de Cartier aus Belgien. Die Anklage warf ihnen vor, in Casale Monferrato keinerlei Massnahmen zum Schutz ihrer ArbeiterInnen und ihrer Familien getroffen zu haben und Informationen über die Gesundheitsgefährdung von Asbestzement unterdrückt zu haben. Die beiden Angeklagten hatten sich im Prozess von ihren Anwälten vertreten lassen und waren nicht anwesend. Im Februar 2012 wurden sie für den Tod von über 2.000 Menschen schuldig gesprochen und zu je 16 Jahren Haft verurteilt.

Obwohl weltweit jährlich rund 100.000 Menschen an den Folgen der Asbestfasern sterben, steigt die Produktion von Eternit seit einigen Jahren erneut an. Dies liegt einerseits an einflussreichen Lobbys, die versuchen, Eternit als unbedenklich darzustellen. Zum anderen ist aber auch das Wachstum des Marktes für Asbestfaserplatten in den sogenannten Schwellenländern wie Brasilien oder Indien für die Steigerung verantwortlich. Während die meisten der im Film gezeigten ArbeiterInnen in den Fabriken und auf Baustellen kaum um die Gefahren von Asbest Bescheid wussten, gibt es eine wachsende Gruppe an AktivistInnen, die mutig gegen die Asbestfasern auftreten.

Dossier:
- Swissinfo: Langzeitfolgen von Eternit
- Neue Züricher Zeitung/Libro: Aspest – Heimtückischer Tod (pdf w/ 1.6mb)
- Asbestos in the dock: Baron de Cartier and Stephan Schmidheiny sentenced to 16 years prison

Datagreed
21/05/2012 | de, en, Misc | Leave a comment
2005

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