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La Question humaine
30/03/2008 | Misc, de | re: 0

la question humaine

Antoine Thirion über den Film “La Question humaine” von Nicolas Klotz, der derzeit in Wien im Filmhaus am Spittelberg zu sehen ist - TIPP! (Quelle: Stadkino-Programm):

Aus den hundert einprägsamen Seiten des Romans von François Emmanuel haben Nicolas Klotz und seine Drehbuchautorin Elisabeth Perceval einen wahren Monsterfilm gemacht. Weniger wegen des Milieus, in das er vordringt, und der Systeme, die er dokumentiert und allmählich näher bringt – die Unternehmenswelt, die Shoah – sondern wegen seiner Länge, seiner Bandbreite und seiner eindringlichen Kraft. In dieser Darstellung der Unternehmenswelt finden sich Züge von schwarzer Magie, von Hypnose und Drogen, die durch unvergleichliche Musiksequenzen (Fado, Flamenco, Rave) hoch dosiert verabreicht werden.

Nach Paria und La Blessure bildet La Question humaine seinen Schöpfern zufolge den Abschluss einer Trilogie über die Welt von heute. In den beiden ersten Filmen mit ihrem Schwerpunkt auf dem Thema Exil als Filmsujet (Verbannung und Vertreibung) und ästhetischer Position war die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nachrangig. La Question humaine nimmt sich nun die Arbeitswelt vor, begibt sich ins Zentrum des Systems und geht in die Tiefe. Die Bewegung des Films ist nicht länger horizontal oder geografisch, sondern vertikal und zeitlich: Er beschreibt ein Milieu, indem er dessen Grundfesten sondiert.

Percevals Bearbeitung des Romans verlegt das Geschehen aus dem Osten Frankreichs zurück nach Paris, und das weniger, um dem Zuschauer bekannte Anhaltspunkte zu bieten, als um ihn vielmehr in einem Territorium zu verankern, das von nichts anderem geprägt wird als von Charakteristika seiner Zeit: graue Büroräume, Philippe Starck-Kantinen, Glasund Spiegelwände. Die Aufnahmen sind wie voneinander vollkommen isolierte und funktionelle Boxen konzipiert, die von den Angestellten des Konzerns bevölkert und wieder verlassen werden – der Entwurf einer makellosen und abstrakten Gegenwart. Auf eine solche anonyme Gegenwart öffnet sich der Film, wenn er die Manager auf dem Pissoir und in den Waschräumen zeigt. Umso gespensterhafter wirkt die Erzählung aus dem Off, die im selben Moment von Mathieu Amalric begonnen wird. Die Hauptfigur, Simon, erscheint von Anfang an als ein gefangener Erzähler, weit weg von den Schalthebeln der Macht, der mit behutsamer und tonloser Stimme die Sprache wiedererlangt, die ihm das Unternehmen entzogen hat. Ein Auftakt, auf dem offensichtlich der Einfluss der Straubs lastet: Alles geschieht in der Gegenwart, aber es gibt keine fixen Ankerpunkte mehr.

Allerdings geht es nicht nur um filmische Wurzeln. Die Geschichte des Kinos wird nicht getrennt von der historischen Geschichte betrachtet, das Drehbuch erzählt von einer zweifachen Bewusstwerdung, einem doppelten Niederschlag der Vergangenheit in der Gegenwart. Die erste dieser Erfahrungen ist genealogischer Art. Als Psychologe in der Abteilung für Human Resources des Konzerns SC Farb wird Simon (Amalric) von einer der Führungskräfte des deutschen Stammhauses, Karl Rose (Kalfon), angewiesen, Nachforschungen über den Geisteszustand von Generaldirektor Mathias Just (Lonsdale) anzustellen. Aber auf die Berichte über dessen angebliche Verhaltensstörungen folgen Beweise, dass Rose, ein ehemaliges Kind der Lebensborn-Bewegung, Kontakte zu Nazi-Splittergruppen pflegt: erste Bewusstwerdung und erstes Aufflackern des Grauens. Dank einer Dramaturgie mit zweifelhaften Absichten, Treffen im Niemandsland, verhüllten Mordund Selbstmordversuchen wie aus einem Hitchcock-Thriller offenbart dieser erste Aspekt die Herrschaft der Väter als unterschwellige Kraft.

Die zweite ist linguistischer Art. In der sauberen und rationalisierten Business-Sprache hallt zunehmend lauter eine vergangene Sprache wider, als Karl Rose enttarnt ist, und Simon in seiner Post anonyme Briefe findet, die technische Notizen aus verschiedenen Quellen enthalten, bei denen jegliche Interpunktion fehlt. Beklommen erkennt Simon bei ihrer Lektüre die Sprache seiner Handbücher wieder, allerdings vermischt mit einem anderen Text mysteriösen Ursprungs. Schrecklich präzise in seinem Stil ist der Text auch schrecklich vage in Bezug auf sein Objekt: Was darin niemals gesagt wird, ist, dass es um Menschen geht, der blinde Fleck der absoluten Rationalität dieser Sprache.

Das Erste, was La Question humaine macht, ist, die kompakte Fassade dieser Sprache rissig werden zu lassen und das Fehlen des Menschlichen mit einem Fragezeichen, einer „question“ zu versehen. Die Annäherung zwischen Kapitalismus und Nazismus an sich ist weniger wichtig als die Möglichkeit und Notwendigkeit, eine Sprache zu historisieren, die sich gerade diesem Prozess entziehen möchte. Die Beklemmung, die Simon empfindet, wird weniger von einem Neuerstarken des Nazismus verursacht (der übrigens keineswegs verschleiert wird, so weckt etwa der Name des Konzerns direkte Erinnerungen an die IG Farben, die Hitlers Kampagne unterstützte und das Gas produzierte, das an den Vernichtungsstätten verwendet wurde), sondern von einer Gegenwart, die in seinen Augen unerträglich geworden ist, weil er sie plötzlich als Kollaboration mit einem System erlebt, das seinen Namen nicht nennt.

In den making of-Videos zum Film (zu sehen auf cahiersducinema.com und gedreht von Héléna, der Tochter des Regisseurs) raunt Klotz dem neuen Rekruten bei SC Farb Nicolas Maury ins Ohr, dass die Manager des Unternehmens, wie er sie zeigen will, sich nicht so sehr von der Jugend des Mai 1968 unterschieden. Das illustriert auch die von den hervorragenden Los Chicros orchestrierte Sequenz des Rave: dieselbe Be rauschtheit, dieselbe Art, gegen die Mauern einer abgeschotteten Gegenwart anzurennen. Der Gedanke an Les amants réguliers und an Garrel drängt sich auf, der Nicolas Maury und Laetitia Spigarelli schon einmal eine denkwürdige Tanzszene voll zündender Trunkenheit geschenkt hat. Doch der Vergleich zeigt vor allem, dass die Beschreibung der Unternehmenswelt bei aller finsteren Realität auf der Erfindung einer neuen Sprache und neuer Körper beruht, wie in der Sequenz der ersten Unterredung zwischen Amalric und Maury zum Ausdruck kommt, wo die beiden eine absurde Dauer für ihr Interview vereinbaren: „Wir können die Dauer des Gesprächs auf eine Stunde festsetzen, oder länger, wenn Sie möchten.“ –„Ich würde vorschlagen, eineinhalb Stunden.

Hier die Jugend, da die Geschichte. An dieser Wegkreuzung treffen Klotz und Perceval keine Entscheidung. Sie lassen sich lieber ablenken, wie Simon, der besagte Unterredung sofort unterbricht, als ihn ein Anruf zu seinen Nachforschungen zurückführt. Und das sind die besten Momente von La Question humain, dieses Schwanken zwischen dem Monument und seinen Rissen, zwischen Feierlichkeit und Komik, zwischen Elegischem und Jämmerlichem: die kostbare Fähigkeit, sich ablenken, und gelegentlich faszinieren, zu lassen, die das Duo in seinen künftigen Filmen sicher noch weiter vervollkommnen wird.

Cahiers du cinéma, September 2007

Shortcuts
28/03/2008 | Politrix, en | re: 0

nato

- ZARA has released it’s annual report on racism in Austria. In 2007 more than 800 incidents have been reported to the organization. An English translation should be available in a couple of weeks.
- Today the 20th NATO-summit has started in Bucharest, Romania. In order to oppose the meeting, activists have set up a Noborder-Camp as part of the anti-NATO-week.
- On April 4, 2008 a conference dedicated to “Bleiberecht” (the right to stay for illegalized migrants) will take place in Linz. An article on no-racism.net gives an overview on deportation in Austria and actions against this practice.

Bassic Instinct / Club Forum
27/03/2008 | Events, de, en | re: 0

bassic instinct
club forum

There’s something in the air
27/03/2008 | Records, en | re :5

plant

Dubsquare Radio (March 28, 2008)
27/03/2008 | Radio, de, en | re :2

acetate
Tonight no studio-guest, therefore I’ll be presenting fresh dubs from Cyrus, El Rakkas, Grimejah, Robbing Hood, Sigha, Simonoff, T2R and myself. Also, there’ll be an outlook on forthcoming releases on Hessle Audio and Raw Horse Records. Plus dates and politrix-snippets as per usual…

Dates

Mar 28: Bounce w/ Rossi B & Luca, Pulse, Ulf, Roswell 47, Plak @ Fluc/Wien
Mar 29: Dub Phase w/ The Others, DST, Gumilap, Kebab @ Mono/Budapest
Mar 29: Planet Detroit w/ Stingray, El Rakkas, Redstar @ Forum Keller/Graz
Mar 30: Kuduro Sessions w/ Jay-S @ Play FM/Wien (9-10pm)
Apr 3-6: Alternativenkongress @ Forum Stadtpark/Graz
Apr 4: Bleiberecht jetzt! (meeting) @ Linz
Apr 5: Bassic Instinct w/ IZC, PDF, BLO, 00piano, El Rakkas @ Sub/Graz
Apr 5: Freak Camp w/ Ramadanman, Ben Ufo, Freak Camp Allstars @ VCF/Berlin
Apr 5: Play FM w/ Claude Young, Franz Jazzin Otto, Amcis, Detronic @ Flex/Wien
Apr 5: Test w/ Plaid (live), Kode 9, Cadik, c0p, DST @ A38/Budapest
Apr 6: Garage Sessions w/ Jay-S, IZC @ Play FM/Wien (10-12pm)
Apr 9: The Nazis never really went away (protest) @ Hauptuni/Wien (11:30pm)

Tracklist

Metalbox - Don’t Let Me Down (Raw Horse forthcoming)
Untold - Kingdom (Hessle)
Sigha - Finite (unreleased)
Martyn - Twenty Four (3024)
Simonoff - Pretty Faces (unreleased)
Ikonika - Please (Hyperdub)
Robbing Hood - How Cruel You Are (unreleased)
Distance - Normad/Scuba Remix (White)
IZC - Untitled (unreleased)
2562 - Channel Two (Tectonic)
El Rakkas - Era We (unreleased)
Pinch - Get Up (Tectonic)
Robbing Hood - Kobra/Refix (unreleased)
Distance - Temptation (Tectonic)
T2R - Augasterver One (unreleased)
Ramadanman - Every Next Day (Souljazz)
IZC - Off-axis (unreleased)
Untold - Pufify (Hessle)
Grimejah - Mean It (unreleased)
Mala - Da Wrath Souljahz (DMZ)
Cyrus - Giving Something Back (unreleased)
Drexcyia - Dr. Blowfins’ black storm stabilizing spheres (Tresor)
Sleeparchive - Hospital 02 (Sleeparchive)
Digilog - Security Alert (Temp)
Urban Tribe - Quantum Encryption (Trust)
Simonoff - Reba (unreleased)
Mala - Changes (Deep Medi)
Sigha - The Shortest Distance Between Two Points (unreleased)
Peverelist - Roll With The Punches (Punchdrunk)
IZC - Inna Sound (unreleased)

Download the show
(mp3 w/ 128kbps / 108mb)

Dubsquare Radio (March 14, 2008)
12/03/2008 | Radio, de | re: 0

Tonight with Dancehell’s DJ Radical and a special dancehall and ragga in hour two. Before that, in the first hour business as usual - dubs, dates & politrix.

dancehell

Dates

Mar 14: Step It Up w/ Miretz, Jazzcause, Fezry, Es_ha, Good Mood @ Klub No.3/Nove Zamky
Mar 15: House Party @ ?/London
Mar 18: Female Pressure (DVD release-party) @ Flex/Wien
Mar 21: Critical Mass @ 5., Margaretenplatz/Wien (4:30pm)
Mar 21: COTN w/ Ekaros (live), Bunzer0, Zvonko, 00Piano, BLO @ Forum Keller/Graz
Mar 21: Icke Micke w/ James T Cotton, Gollini, Tibcurl, Baumann @ Planetarium/Wien
Mar 25: Trust Labelnight w/ Stingray, Glow, Dan Lodig @ Flex/Wien

Tracklist

Jazzsteppa - Jakin (Hotflush)
El Rakkas - Dare We Go (unreleased)
Loefah - Mud (DMZ)
IZC - Jetty (unreleased)
Silky - Hooby (Deep Medi)
D1 - I’m Lovin (Tempa)
Appleblim & Peverelist - Circling (Skull Disco)
Urban Tribe - Protein Coat (Trust)
Simonoff - Sometimes (unreleased)
Loefah - Ruffage (DMZ)
D1 - 8peed (Tempa)
Double Helix - Hibernation (unreleased)
Outside - Dawn Stepped / Horsepower Remix (Immersed)
Zombie - Mush (Hyperdub)
Dot - Chemical Waste (Immigrant)
LV & Errol Bellot - Globetrotting (Hyperdub)
*** DJ Radical in the mix ***
Aquizim & Mad Professor - Kunte Kinte
Strictly for the Dreads #6 - Say Woee
Ini Kamoze - Hotstepper
Don Gargamel - Tricks Kill People
Vybz Kartel - Money Over Wa
Shaggy - Stand Up and Fight
Morgan Heritage - Uncomfortable
Bounty Killa - Almighty
TOK - Take It To Them
Burro Banton - Cold
Burro Banton - Boom Wha Dis
General Degree - Traffic Blocking
Lady Saw - Don’t Stress That
Burro Banton - Money Friend
TOK - Gal You A Lead
Bounty Killer - Mr. WUK More
Shaggy - Ready Fi Di Ride
King of the Dancehall/Soulplayer Remix
Sizzla - Hot Like Fire
Nina Sky feat. Cham - Turnin’ Me On
General Degree - Willy Wap Wap
Bounty Killa - Chillin
Kipprich - Gangsta Love
Brian & Tony Gold - Hey Girl
Buju Banton - Gwan Hot Gal
Sasha - Put It On

Download the show (mp3 w/ 108mb / 128kbps)

Resistance in 2008
12/03/2008 | Politrix, en | re: 0

Two recent calls by the European Noborder Network and the German-based Gipfelsoli Infogroup summarize forthcoming actions of resistance in 2008.

- March 15-16, Bamako (Mali): meetings of migrant workers who were deported from Europe or sent back on their way, organized by Malian Association of deported migrants (AME)
- March 29, Athens/Thesaloniki/Volos (Greece): day of action against the border-regime
- March 29, London (UK): Trade Union and Community Activist Conference Against Immigration Controls
- April 2-4, Bucharest (Romania): protests against the 20th NATO-summit
- May 23-27, Berlin (Germany): protests against a summit by the NATO Parliamentary Assembly
- May 24-26, Berlin (Germany): international meeting for squats and public spaces
- June 6, Warsaw (Poland) and several other European cities: European day of action against FRONTEX
- June 26 - July 8, Sapporo (Japan): protests against the G8-summit
- July 18-27, Austria: Anarchist summer camp
- Summer, Germany: Camp against a bomb-testing area
- August 17-24, Hamburg (Germany): anti-racist camp against deportations from the EU
- August 26-September 2, Izmir (Turkey): noborder-camp
- September 18-21, Malmoe (Sweden): European Social Forum
- October 7, Ceuta (Morocco): protests against the fence of Ceuta on the day of anniversary of the killings in Ceuta and Melilla in 2007
- preview 2009: NATO’s 60th anniversary summit in France, G8-summit in Italy

picidae
12/03/2008 | Politrix, en | re: 0

china elsewhere

picidae is a project by Zone Interdite, illustrating the effects of internet-censorship. Using an external pici-server to beak through Chinese firewalles, they compare censored versions of websites with uncensored ones.

Myspace-controversy
12/03/2008 | Politrix, en | re: 0

Accidentally hitting the Myspace 404-page for censored links recently, left me struck due to a quite strange reference to the past - ‘head-lice’, which ‘had to be eliminated before it spread’ were commonly used by Nazi-propaganda when speaking about Jewish people.

kopfläuse at myspace

In fact, this has not been the only issue in the past weeks, which upset me: in another incident, the so-called ‘Cool New Videos’ feature advertised a freak-show kind of video, showing a black person putting a 0.33l-can into his mouth. Unfortunately I forgot to do a screenshot in my instant rage.

A bit earlier, in 2007, I learned that several artists who were supposed to perform in the US, had been denied access by customs because they failed to show a valid working-visa. It wouldn’t surprise me if social networking sites such as Myspace would cooperate closely with immigration offices, for instance by providing access to databases for crosschecks with flight-lists?

iran

All three incidents once again reminded me of the unsavoury fact that Myspace is owned by Rupert Murdoch’s News Corporation. As the owner of the worlds largest media-conglomerate company, Murdoch has a long history in fostering neo-liberal, hypercapitalist and far-right politics. He has been campaigning for the likes of Ronald Reagen, Margeret Thatcher, Homer Simson, Pat Robertson, John Major and George W Bush, just to name a few. The infamous role of his FOX TV during the Irak war - acting as a role model for ‘embedded journalism’ - has as well made it quite obvious, that critical journalism is not part of the concept.

moe

Sovmusic.ru
12/03/2008 | W&S, en | re: 0

sovmusic

In case You’re looking for songs from the Soviet era, sovmusic.ru is the place to be.

 
 
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